Der Abschäumer
Wartung des AbschäumersAbschäumer für's kleine Portemonnaie?
Allgemeines
Der Abschäumer ist für viele ein Gerät, was zwar für unbedingt notwenig erachtet wird, aber nur wenige wissen eigentlich genau warum er wirklich erforderlich und wie die Funktionsweise ist.
Die Wichtigkeit der Anschaffung eines Abschäumers wird dem Seewasseraquarianer bereits bei Beginn des Hobbys allerseits vermittelt, auch wenn wenige Ausnahmen von der Anschaffung des Abschäumers abraten.
So wird dann, gerade wenn die Funktionsweise und die Bedeutung für das System im Unklaren liegt, von vielen Aquarianern gerne ein Kompromiß geschlossen.
Schließlich hat das andere "Zeugs" ja schon genug gekostet.
Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht das so oft und vielzitierte Beispiel des Ferrari's mit 175 er Bereifung ausschlachten, aber so manch einer hat schon so manche Geräte in den Keller, auf den Müll oder sonst wohin geworfen.
Das im Bereich der Abschäumer-Frage noch recht große Unsicherheiten bestehen, hat unter anderem das Forum gezeigt und in anderen Foren läufts auch nicht viel anders.
Immer wieder tauchen Fragen rund um den Abschäumer auf und nicht zuletzt, habe ich selbst meinen Erfahrungswert in Punkto "beste Position" des Abschäumers erweitert.
Ich möchte versuchen hier ein wenig mehr "Licht" ins Dunkel zu bringen und dem Leser eine kleine Übersicht bieten, die vielleicht in manchen Fragen hilfreich ist.
Kaufentscheidungen herbeizuführen, oder gar das Favorisieren bestimmter Produkte, liegt nicht in meiner Absicht.
Zum Verständnis der Funktionsweise eines Abschäumers ist zunächst einmal ein wenig Grundlagenwissen von nöten. Ich versuche den Teil so kurz wie möglich zu halten.
Im Seewasser liegen zahlreiche Proteinverbindungen vor, die wiederum aus tausenden Verbindungen der einzelnen Aminosäuren bestehen. Man spricht daher auch von hochmolekularen Verbindungen. Diese Verbindungen sind elektrisch geladen, sowohl negativ, als auch positiv. Der hohe Kolloidgehalt des Seewassers und die dadurch resultierende reduzierte Oberflächenspannung erlaubt die Ausfällung der Proteine.
In völlig reinem Seewasser kommt es nun bei Einblasung von Luft zu einem sogenannten "Normalschaum", ist das Wasser belastet, bildet sich über dem Normalschaum der Eiweißschaum.
Ohne jetzt näher auf die Adsorption und deren Ursache einzugehen, sollte jedem klar sein, daß es nur Sinn macht, den Eiweißschaum (nicht den Normalschaum) über einen Auffangbecher abzuschäumen. Das Becken muß unbedingt vor einem Rücklauf des "Abschaums" bewahrt werden, denn die nach der Schäumung entstandenen Substanzen (Ammoniak, Aminosäuren, Schwefel,etc.) sind zu recht als hochgiftig fürs Aquarium zu bezeichnen.
Erstaunlich ist - und das macht den Abschäumer letztendlich so leistungsfähig - daß die wasserlöslichen Proteine sehr reaktionsfreudig sind und Verbindungen mit Metallen eingehen, so daß bei der Abschäumung sogar Kupfer und -Zinkionen, andere Schwermetalle, aber auch Phosphate, phenolische Farbstoffe, Nitrat, Fette und Kohlenhydrate abgeschäumt werden. Leider erfaßt die Abschäumung dabei natürlich auch Spurenelemente, die eigentlich gewünscht sind. So wird z.B. Jod in Form des ozonisierten Jodidions abgeschäumt.
Das sollte jedoch kein Argument gegen einen Abschäumer sein, die Vorteile überwiegen derart, daß die geringfügige Reduzierung von Spurenelementen als vernachlässigbar betrachtet werden kann.
Damit der oben beschriebene Prozeß stattfinden kann, wird ein Kontaktrohr benötigt, in dem durch Einblasen von Luft der gewünschte Adsorptionsprozeß in Gang gesetzt wird. Die heute auf dem Markt befindlichen Geräte sind schon derart weiter entwickelt, daß es nun müßig wäre, die inzwischen unterschiedlichen Methoden und Arbeitsweisen einzeln oder gar explizit zu erläutern.
Wichtig ist nach wie vor, daß eine ausreichende Menge Luft eingebacht wird, je mehr desto besser, daß zudem die Gasblasen klein sind (= größere Oberfläche) und das die Gasblasen ausreichend lange im Kontaktrohr "unterwegs" sind. Man spricht hierbei von der Verweildauer. Wichtig ist natürlich auch, welche Menge Wasser durch den Abschäumer "geschleußt" werden kann. Hier kann man als Mindestanforderung die Beckengröße in Liter annehmen.
Dieses Wissen kann sich jeder, der sich einen Abschäumer kaufen möchte, zu Nutze machen, denn vergleicht man die Daten der Abschäumer, zumindest, was die Luftmenge in Liter und Durchflußmenge anbelangt, so entdeckt man schnell große Unterschiede. Leider gibt es selten Angaben zur Verweildauer, statt dessen wird mit der Größe des Schaumbechers "geprotzt", was natürlich beinah uninteressant ist (warum, nachzulesen im nächsten Abschnitt "Wartung").
Bei erfolgreicher Abschäumung wird sich je nach Modell und Beckengröße/Fütterung und anderer Faktoren innerhalb von 2 bis 7 Tagen im Bereich des Eiweißschaums, also an der Flotationsgrenze, allmählich eine Fett-und Schmutzschicht bilden. Diese Fettschicht vermindert die Schaumbildung erheblich, so daß es notwenig wird, den Becher und das Kontaktrohr an dieser Stelle zu reinigen. Aus diesem Grund machen übergroße Schaumbecher auch wenig Sinn, da ohnehin recht kurzfristig gereinigt werden sollte.
Diese Beobachtung erklärt zudem die nach Fütterung häufig zusammenbrechende Abschäumung, ein Prozeß den ich daher als völlig normal bezeichne, auch wenn viele Aquarianer gerade in diesem Punkt sich über ihren Abschäumer beklagen. Das es Geräte geben soll, bei denen die Schaumbildung unberührt bleibt, obwohl fettreiches Futter eingebracht wird, kann ich so nicht bestätigen. Unter Umständen ist bei diesen Abschäumern die Flotationsgrenze nach "oben" verschoben, so daß mehr Normalschaum mit raus gebracht wird.
Viele Seewasseraquarianer sprechen in diesem Fall von "nassem" Schaum, im Umkehrfall von trockenem Schaum. Das es wenig Sinn macht, den Normalschaum aus dem Becken zu bringen, dürfte jedem klar sein.
Beachtenswert ist zudem, daß nicht nur das Wasser von Entscheidung für die Abschäumung ist, auch verunreinigte Luft durch Staub und Zigarettenrauch beeinträchtigt die Schaumbildung negativ. In Anbetracht der zudem gewaltigen Luftmengen, die ein guter Abschäumer stündlich ins Becken bringt, sollte ohnehin jeder Raucher auf sein Laster in Beckennähe verzichten. Ich selbst bin auch dem Nikotin verfallen, aber in Aquariumnähe wird nicht geraucht!
Alle anderen Wartungsarbeiten und Pflegemaßnahmen sind selbstredend, natürlich muß man dafür sorgen, daß die Luftzufuhr und Verteilung ungestört ist, also die Ansaugung gelegentlich reinigen (oft hilft der kurzzeitige Betrieb ohne Luftansaugung) und die Ausströmer, sofern vorhanden, regelmäßig reinigen, wechseln. Nicht zu vergessen ist die geregelte Durchflußgeschwindigkeit über die Zufuhrpumpe.
Wie ich bereits auf der Tips- und Tricks-Page erwähnt habe, ist es zudem hilfreich, freistehende, dem Licht ausgesetzte, Abschäumer "einzukleiden", man vermeidet damit unnötige starke Algenbildung im Gerät.
Wie er eingesetzt werden sollte
Eine nicht unerhebliche Bedeutung hat die Position des Abschäumers.
Mit Position ist hier gemeint, wo genau der Zulauf, bzw. die Ansaugung zum Abschäumer ist, weniger von Bedeutung, aber unter Umständen natürlich auch wichtig, ist der Auslauf.
Viele Systeme auf dem Markt, vor allem Komplettsysteme, bieten den Abschäumer in Kombination mit einem Filtersystem an. Mit Sicherheit werden auch viele Aquarianer den Abschäumer als Bestandteil des Filtersystems betrachten und diesen ggf. regelrecht mit einbinden.
Kommen wir nun zu den Varianten, die dabei entstehen können, mit ihren Vor-und Nachteilen:
1. Abschäumerzulauf befindet sich vor einem Bio-oder Rieselfiltersystem, der Auslauf geht in den Bio-Rieselfilter.
Im Grunde ist gegen diese Variante nichts einzuwenden, eine ideale Sauerstoffversorgung des Bio-Rieselfilters ist gewährleistet.
Nachteil:
a) Gegebenenfalls ist die Sauerstoffversorgung im Becken zu gering, man sollte dann eventuell den Auslauf direkt ins Becken verlegen.
b) In den Filtersumpf wird das gereinigte Wasser aus dem Abschäumer eingebracht, dort kann, wenn älteres Filtermaterial vorhanden ist, das Wasser ungewünscht reduziert werden.
2. Abschäumerzulauf befindet sich nach einem Bio-oder Rieselfiltersystem, der Auslauf geht ins Becken.
Diese Variante habe ich vor noch nicht allzu langer Zeit als durchaus akzeptabel bezeichnet, vor allem, wenn der vorgeschaltete Bio-Rieselfilter kleiner dimensioniert ist.
Die Vorstellung war dabei, simplifiziert, daß der vorgeschaltete Filter den Grobschmutz, etc. abfängt, der Abschäumer in dem Fall sich der "Reste" annimmt, ähnlich, als ob man vor dem Putzen erst mal kehrt.
Inzwischen habe ich meine Ansicht dazu revidiert, denn folgende Nachteile entstehen bei dieser Variante:
Auch wenn der Bio-Rieselfilter nicht sehr groß dimensioniert ist, die dort angesiedelten Bakterien erhalten bei dieser Variante "volles Futter" und sämtliche Prozesse, wie Nitrifikation, etc. sind uneingeschränkt versorgt, die Zahl der ansässigen Bakterienstämme ist hoch!
Klingt gut?
Leider nicht. Als Nachteil entpuppt sich im Laufe der Zeit ein Anstieg von Nitrat und was vermutlich noch schwer zu beurteilen ist, der Entzug von Mineralien durch die großen Bakterienstämme ist u.U. enorm.Tatsächlich lagern nämlich viele dieser Bakterien wesentlich mehr Material in den Zellen ein, als bis dato bekannt war.
Die Aufstellung des Systems in der Art ist nicht fatal - man kann durchaus über einen langen Zeitraum auch so gut fahren, nur warum sollte man das Risiko in Kauf nehmen, wenn es nicht besser geht?
Und damit zur besten Variante:
3. Abschäumerzulauf ist direkt aus dem Becken, am besten am Ende einer Strömungsrichtung
In dieser Aufstellung bekommt der Abschäumer das Wasser direkt aus dem Becken und kann seine volle Leistung entfalten. Der Auslauf sollte möglichst im Bereich von Strömungspumpen liegen, damit das gereinigte Wasser gut verteilt wird. Im Becken wird eine optimale Sauerstoffversorgung gewährleistet.
Nun, diese Überlegungen werden bei dem einen oder anderen einen Gewissenskonflikt auslösen. Schließlich lassen manche Systeme, vor allem Unterschrankmodelle, gar keinen anderen Aufbau zu.
Hier sollte man sich von den "Design-Vorstellungen" trennen und den Fischen und Wirbellosen zu Liebe den Idealzustand einrichten.
Übrigens, wer es nicht glaubt und Variante 2 fährt, sollte zumindest einen Testlauf mit Variante 3 versuchen, das Ergebnis im Becher des Abschäumers dürfte überzeugen, ich selbst habe durch so einen Testlauf meine Überlegungen hinsichtlich der Position des Abschäumers einer kritischen Reflexion unterzogen und bin zu dem vorgenannten Schlüssen gekommen.
An dieser Stelle erwartet villeicht so manch einer Firmennamen und Typbezeichnungen. Nichts dergleichen möchte ich hier vorstellen und verweise mal auf das Seewasserforum, dort sind bereits reichlich Angaben zu Modellen und Erfahrungswerten von Aquarianern mit ihren Abschäumern.
Was bleibt, ist die bereits oben angeführte Überlegung zum Vergleich der Geräte und der Hinweis, das man nicht generell den Angaben zu Leistungsfähikeit Abschäumer/Beckengröße der Hersteller bedingungslos trauen sollte, oft wird gerne mal ein wenig übertrieben, was beinah verständlich erscheint.
Sicher wird ein Abschäumer für 3000,-DM besser sein, als ein Gerät für 80,-DM und schon sind wir beim nächsten Thema:
Abschäumer für's kleine Portemonnaie?
Das die Anschaffung des Abschäumers eine klare Gewissenfrage hinsichtlich Portemonnaie und Anschaffung ist, dürfte jedem Aquarianer klar sein.
Wer dahingehend finanziell keine Sorgen hat, kann diesen Abschnitt getrost überspringen.
Für alle anderen bleibt demnach eine alte marktwirtschaftliche Überlegung: Mit möglichst wenig, möglich viel erreichen!
Hier gibt es nun zwei Möglichkeiten, ich möchte die von mir als ideal empfundene zunächst vorstellen:
Leider gibt es immer wieder Aquarianer, die ihr schönes Hobby "an den Nagel" hängen, manche hören ganz auf, andere steigen wieder um auf Süßwasser, was mir am unverständlichsten ist.
Nun ja, Tatsache ist, daß viele dieser Menschen ihr teuer erworbenes Material auch wieder los werden möchten und nicht in den Keller stellen.
Hier bietet sich nun die Möglichkeit für kleines Geld an hochwertige Abschäumer zu kommen. Es gibt sogar Aquarienfachhandel, die mit gebrauchtem Material handeln. Die Ersparnis liegt hier oft im Bereich von 50-70%. So kann man z.B. für 500,-DM an einen Abschäumer kommen, der vielleicht 1200,-DM neu kosten soll.
Risiko?
In der Regel eher gering, viele Geräte sind qualitativ hochwertig gebaut und halten sehr lange. Ich selbst betreibe nun schon über 6 Jahre einen xxxxxx-Abschäumer, der bei Kauf bereits 5 Jahre alt war.
Kommen wir nun zu einer weiteren Möglichkeit günstig zu einem gutem Abschäumer zu kommen:
Die zweite Möglichkeit wäre nun einen Abschäumer selbst zu bauen. Hier im Netz gibt es zahlreiche Bauanleitungen, ich selbst bin schon oft danach gefragt worden.
Stellt man nun aber die Kosten für die Anschaffung des bloßen Materials + die Arbeitszeit und Aufwand gegen den zuvor erwähnten Gebrauchtkauf, bleibt fraglich, ob durch Eigenbau wirklich gute Ergebnisse erzielt werden können.
Zudem besteht in diesem Fall das Risiko, daß der Eigenbau nicht effektiv arbeitet oder gar zum Risikofaktor Nr.1 wird. Als Probleme könnten da erwähnt werden: Undichtigkeiten, falsch angesiedelte Adsorptionsgrenze (führt zu Verwirbelungen, Eiweißabschaum gelangt in den Rücklauf), mangelnde Adsorption schlechthin.
Wenn man natürlich günstig an das Material kommt, oder gar selbst in ähnlichen Branchen tätig ist, z.B. in der kunstoffverarbeitenden Branche, dann dürfte mit geringen Mitteln unter Beachtung aller Komponenten ein leistungsfähiges Gerät zu bauen sein. Man sollte jedoch nicht vergessen, daß viele Herstellerfirmen nun einmal aus der Natur der Sache einen deutlichen Entwicklungsvorsprung haben und das sich dieser Vorsprung nicht unbedingt in zugänglichen Bauanleitungen wiederspiegelt.
Der Abschäumer ist das Kernelement einer Filteranlage. Man sollte an diesem Punkt nicht sparen und wenn gespart werden muß, dann sollte man es wie oben beschrieben versuchen, auf keinen Fall jedoch ein zu klein dimensioniertes Gerät einsetzen. Es gibt Becken, die ausschließlich mit Abschäumern gefiltert werden!
Ein guter Abschäumer bringt nicht nur ein stabiles Milieu, er kann sogar dem Pfleger einige Arbeit abnehmen und die Anschaffung weiterer Geräte überflüssig machen (z.B. Nitratfilter).
Michael Schughart, März 2000
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